Ein neuer Weg zur eigenen Stärke

                                                     Mensch und Natur gehören zusammen


Häufige Fragen


Was ist tiergestützte Pädagogik /Therapie ?

Unter tiergestützten Interventionen versteht man alle Maßnahmen, bei denen durch den gezielten Einsatz eines Tieres positive Auswirkungen auf das Erleben und Verhalten von Menschen erzielt werden sollen. Das gilt für körperliche wie für seelische Erkrankungen. Das Therapiepaar Mensch/Tier fungiert hierbei als Einheit. Als therapeutische oder pädagogische Elemente werden dabei emotionale Nähe, Wärme und unbedingte Anerkennung durch das Tier angesehen.

Durch tiergestützte Interventionen werden keine spezifischen Krankheiten behandeln, Defizite behoben oder Fähigkeiten gefördert, sondern durch tiergestützte Interventionen werden das Vertrauen, Sicherheit, Mitteilungs- und Geselligkeitsbedürfnis sowie Motivation und Kooperation positiv beeinflusst. So kann ein Therapeut zu einem traumatisierten Kind über das Medium Tier schneller einen Kontakt herstellen und ihn dann auch halten. Erst durch die Herstellung des Kontaktes wird dann eine spezifische psychotherapeutische Intervention erst möglich. Oder Kinder sind eher bereit, um die Feinmotorik der Hand zu trainieren, einen Hasen zu streicheln als einfach nur zu kneten. Man kann davon sprechen, dass tiergestützte Interventionen eine sogenannte „Vorfeldfunktion“ besitzen, weil sie die Atmosphäre, in der die eigentliche therapeutische oder pädagogische Arbeit stattfindet, positive beeinflussen. Tiere öffnen also Türen. Und schaffen damit einen Zustand, mit dem der Therapeut oder Pädagoge gut weiterarbeiten kann. Damit ist aber auch ausgedrückt: Tiere heilen nicht! Sie helfen uns zu heilen. Tiere fördern nicht! Tiere helfen uns zu fördern.

Die amerikanische »Delta-Society« unterscheidet die Grundformen des Tiereinsatzes als »animal assisted activity«, »animal assisted education« und »animal assisted therapy«. Zu den tiergestützten Aktivitäten zählen beispielsweise die von Ehrenamtlichen ausgeübten Tierbesuchsdienste in Alten­heimen. Während die tiergestützte Aktivität soziale Kontakte ermöglichen oder verbessern will und so Lebensqualität steigern kann, setzt tiergestützte Förderung ein klientenorientiertes Konzept voraus, das Mensch-Tier-Interaktion gezielt anbahnt, um Fähigkeiten und Fertigkeiten bewusst zu machen und weiter zu entwickeln und stellt somit eine Vorstufe der tiergestützten Pädagogik und Therapie dar. Diese wird von pädagogischen oder therapeutischen Fachkräften mit einem klaren Konzept, pädagogisch-therapeutischer Zielsetzung und Dokumentation sowie Evaluation eingesetzt. Der Umgang mit dem Tier soll Empathie, Selbstbewusstsein und Zuverlässigkeit schulen, emotionale Talente fördern, die Therapie von Krankheiten oder einen verbesserten Umgang mit ihnen unterstützen.

Die Arbeitsfelder, in denen tiergestützten Therapie und Pädagogik eingesetzt werden, haben sich in den letzten Jahren rasant entwickelt.    

In vielen Schulen, vor allem in sonderpädagogischen Förderschulen, gibt es inzwischen ›Schulbegleithunde‹, die in das Unterrichtskonzept mit einbezogen sind. Der Hund im Unterricht wirkt ausgleichend, fördert die soziale Interaktion und die Impulskontrolle der Kinder und bereichert den Unterricht auf erstaunliche Weise. Die positiven ausgleichenden, konzentrationsfördernden sowie motivationssteigernden Wirkungen sind deutlich.

Tiere sind nicht die besseren Therapeuten, sondern stellen mit ihren wesenseigenen Qualitäten ein besonderes ›Mittel‹ pädagogisch-therapeutischer Maßnahmen dar. Das Tier verfolgt dabei kein eigenes pädagogisches oder therapeutisches Ziel oder ist von sich alleine aus heilsam, sondern wirkt nur durch den verantwortungsvollen und gezielten Einsatz der therapeutischen oder pädagogischen Fachkraft.

Derzeit wird die tiergestützte Therapie und Pädagogik ausgiebig beforscht und zunehmend anerkannt. Während für die Haus- und Heimtierhaltung durch viele Studien eine Wirksamkeit belegt werden konnte, fehlen für die tiergestützte Therapie und Pädagogik noch weitgehend aussagekräftige empirische Studien. Dass eine wissenschaftlich fundierte Auseinandersetzung mit diesem Themenfeld sinnvoll erscheint, lassen die zahlreichen Fallstudien und Untersuchungen vermuten, die durchweg über vielversprechende Erfolge berichten.

Um dauerhafte Wirkungen im Sinne einer Steigerung der Lebensqualität, Verbesserung von Fähigkeiten oder Nutzung von Ressourcen der Beteiligten zu erzielen, sollte die Begegnung zwischen Mensch und Tier nicht dem Zufall überlassen werden. Es gilt, die Potenziale, die der Umgang mit Tieren Menschen bieten kann, optimal zu nutzen. Eine therapeutische, präventive, rehabilitative oder pädagogische Wirkung eines Tieres ist nur dann nachweisbar, wenn eine konstante, intensive, positive und partnerschaftliche Mensch-Tier-Beziehung vorliegt.

Die bloße Anwesenheit eines Tieres hat noch keinen Vorhersagewert für die wünschenswerte therapeutische Wirkung. Reinhard Bergler, der Nestor der Erforschung der Mensch-Heimtier-Beziehung formuliert dies so: „Tiere sind keine lebendige Pille, die man gleichsam auf Krankenschein verordnen kann und die dann automatisch eine wünschenswerte therapeutische Wirkung ausüben“.

In der Praxis ist die Grenze zwischen dem tiergestützten Besuchsdienst und tiergestützten Interventionen fließend. Und dementsprechend zeigt die Qualität je nach fachlicher Expertise des Durchführenden und des Ablaufs des Prozesses eine große Bandbreite. Ein „gutes Herz“ und der „gute Wille“ reichen nicht aus, um eine Steigerung der Lebensqualität oder wirkliche therapeutische Fortschritte zu erreichen. Tiergestützte Interventionen sind in vielen Feldern eine wirksame Methode, doch erst qualifizierte Aus- und Weiterbildung und fortlaufende Betreuung machen aus einer Aktivität mit einem Tier eine wirklich gelungene Therapie.

Konkret werden in einem tiergestützten Setting Dinge mit (streicheln, bürsten, führen, Suchspiele...) , um (Wissenvermittlung zum Tier) und für (Heu auffüllen, Kot einsammeln, Futter zubereiten...) das jeweilige Therapiebegleittier gemacht.